Pro und Contra
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Zum Für und Wider des Mobiltelefon-Einsatzes im Unterricht

von Mirko König

Mobiltelefone an sich polarisieren die Lehrerschaft und die Politik. Die Meinungen gehen vom völligen Handy-Verbot bis zum Tolerieren von nicht laut klingelnden Geräten. Dabei geben viele Eltern ihren Kindern die Technik an die Hand, um mit ihnen in Verbindung zu bleiben. Dieser Beitrag möchte die Argumente abwägen. Grundsätzlich wird aber ein Einsatz elektronischer Medien befürwortet. Ein wenig geht die Diskussion in Richtung der Mathematik, jedoch behandeln die meisten Argumente den Einsatz des Mobiltelefons an sich.

Argument

Gegenargument

Ein Telefon ist zum Telefonieren da.

Die heutigen Mobiltelefone sind richtige Computer, die unter anderem telefonieren können.

Der Akku ist möglicherweise schnell leer. Das kommt bei den stromsparenden CAS-Taschenrechnern nicht so oft vor.

Stimmt. Wegen ihrer Leistungsfähigkeit müssen die Telefone oft ans Ladegerät. SchülerInnen kümmern sich aber um den Ladezustand des Mobiltelefons gerne.

Ein CAS-Taschenrechner leistet viel mehr für Mathe als ein Telefon.

CAS-Taschenrechner sind teure Spezialgeräte, keine Universalrechner. Für Telefone kommt immer mehr Software auf den Markt.

CAS-Taschenrechner zeigen Grafik an.

Mobiltelefone auch, und das in brillanter Form.

Auf Mobiltelefonen speichern manche SchülerInnen Gewalt-Videos und tauschen sie.

Das tun sie womöglich auch auf dem PC unter Nutzung des Internets. Man sieht es aber nicht so leicht. Das Telefon ist immer dabei, es gestattet allgegenwärtige Datenverarbeitung (ubiquitous computing). Gegen Gewaltdarstellungen muss vorgegangen werden. Auf dem Telefon findet man sie sogar leichter als auf dem PC.

Auf Mobiltelefonen speichern manche SchülerInnen Gewalt-Videos und tauschen sie. Sie gehören aus der Schule verbannt.

Dafür kann das Telefon als Medium nichts. Das gleiche Problem betrifft das Internet, Zeitungskioske und das Fernsehen. Niemand kommt (mehr) auf die Idee, diese Medien zu verbieten.

Die Eingabe auf den 12+2+5 Tasten des Mobiltelefons stellt eine Hürde dar.

Stimmt. Jedoch muss die Software entsprechende Modi anbieten. Wie SMS zeigt, ist die eingeschränkte Eingabemöglichkeit weithin akzeptiert.

Die SchülerInnen könnten während des Unterrichts telefonieren oder SMS nutzen.

An das neue Medium angepasste Verhaltenskodizes können diesen Missbrauch eindämmen. Wer erwischt wird, sieht einer Strafe entgegen, muss z. B. beim nächsten Mal Kuchen für alle mitbringen (hat sich im Carl-Zeiss-Gymn. bewährt). Das Lehrer-Schüler-Verhältnis spielt hier eine große Rolle. In manchen Klassen lässt sich leider nur wenig tun.

Bei Klassenarbeiten und Tests könnte gespickt und verbotenerweise kommuniziert werden.

In Klassenarbeiten und Tests gehören in der Tat keine Kommunikationsgeräte. Kein Gegenargument.

Man könnte die SIM-Karte im Unterricht durch eine andere, kommunikationshemmende, ersetzen.

Dafür gibt es Versuche, jedoch erschwert der Aufwand das Verfahren. Extra SIM-Karten kosten Geld und können leicht verschwinden.

Ein Störsender könnte die Kommunikation hemmen.

Er erzeugt wieder mehr Elektrosmog. Außerdem gibt es ja noch Bluetooth und Infrarot.

Man könnte Palm oder Windows Mobile einsetzen.

Solche Versuche gibt es. Da die wenigsten Schüler so ein Gerät haben, musste ein Klassensatz vorgehalten und gepflegt werden. Auf einem Palm oder WM-Gerät kann aber eine Java-Umgebung installiert werden. So können diese Geräte die Telefon-Software nutzen.

Ein PC ist bezüglich der Software viel flexibler als ein Telefon. Ich gehe gerne in den PC-Raum.

Nicht immer ist der frei. Aber wenn das praktikabel ist und die Schüler die Software auch daheim nutzen können, ist das ein gutes Argument. Der PC ist ein bewährtes Medium, es gibt viele gute Programme dafür.

Ich würde lieber Notebooks nutzen.

Notebook-Rechner sind teuer, veralten schnell und müssen gepflegt werden. Über solche Initiativen sind schon lange Diskussionen geführt worden. Natürlich wäre ein Notebook pro Schüler nicht schlecht.

Man muss als LehrerIn schon ziemlich technikaffin sein, um sich einzuarbeiten.

Stimmt. Das trifft auf den Medieneinsatz generell zu. Er macht den Unterricht technikabhängig.

Die Mobiltelefone müssen gepflegt werden.

Erfahrungsgemäß wenden SchülerInnen viel Mühe auf, um ihr Telefon am Laufen zu halten. Insbesondere der Akku wird selten leer sein.

Vielleicht hat nicht jede(r) ein Java-fähiges Telefon.

Damit ist zu rechnen. Möglicherweise müssen zwei Personen ein Telefon nutzen.

Die Eltern der SchülerInnen könnten gegen den Einsatz der Telefone sein.

Das müsste in der Tat mit ihnen geregelt werden. Es wäre die gleiche Vorgehensweise wie beim Einsatz eines anderen vermeintlich ungewöhnlichen Unterrichtsmittels.

Mein Fazit lautet: Sicher gibt es Für und Wider beim Einsatz von Mobiltelefonen. Insbesondere bietet sich für den Zweck des Plottens von Funktionen die Nutzung von PCs an. Dazu muss man aber in der PC-Raum wechseln und schafft eine andere räumliche Situation. Auch bei den Hausaufgaben sind die SchülerInnen auf den PC angewiesen. Im konkreten Fall hatte nicht jeder Schüler einen zur Verfügung. Das traf allerdings auf die Telefone auch zu. Im Unterricht hatte ich zwei Exemplare zum Ausleihen vorrätig. Sie können ohne viel Aufwand im Unterricht sofort eingesetzt werden.

Die etwas eingeschränkte Bedienung eines Mobiltelefons mit den 12+2+5 Tasten stellte in der Praxis kein Problem dar. Die auf jedem Telefon verschiedene Anordnung der Softkeys war für jeweils eine konkrete Person kein Problem, da sich jene auf einem Gerät nicht ändert. Die Volkshochschüler gewöhnten sich schnell an die Bedienung der Geräte und konnten die Aufgaben gut lösen.

Dem Argument, manche Schulen verbieten Mobiltelefone, konnten die Volkshochschüler nicht folgen. Da sie jedoch im Unterschied zu Schülern schon etwas reifer sind, kann man Disziplinprobleme bei der Telefonnutzung eher vergessen.

Da ich selbst das Programm im Unterricht testen wollte, stand ich der Telefonnutzung natürlich aufgeschlossen gegenüber. Meine Sorgen gingen eher dahin, ob das Programm fehlerfrei läuft, und ob die VH-Schüler es als Unterrichtsmittel annehmen. Letzteres war kein Problem, da nach einiger Übung das Eingeben der Computer-Terme immer besser klappte. Anfangs waren die Kursteilnehmer natürlich erstaunt über mein ernsthaftes Ansinnen, ausgerechnet ihr Handy für Mathe zu nutzen.

Einige Darstellungsfehler im Programm konnten dingfest gemacht werden, überwiegend gab es aber ein flüssiges, fehlerfreies Arbeiten. Die Absicht, das Denken durch Anschauung zu unterstützen, wurde erfüllt.

Insgesamt kann ein ermutigendes Fazit gezogen werden. Das Programm „Analysis mobil“ kann in weiten Teilen der Analysis zum Einsatz kommen. Die Geräte arbeiteten ohne große technische Probleme. Lediglich ein Siemens S65 stellte manche Eingabebildschirme nicht richtig dar. Der Java-Slogan „write once run everywhere“ (sinngemäß: ein einmal geschriebenes Programm läuft überall) bewahrheitete sich in den meisten Fällen.

 

 

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